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Beefscouts

Der Fleischblog

Betrug mit Rindfleisch: Gefälschtes Kobebeef

Alex geschrieben am 25.03.2017

An dieser Stelle kann man mir wirklich keinen Vorwurf machen, das ich erst jetzt auf diesen Betrug aufmerksam geworden bin, denn die geschilderte Betrugsmasche, über die ich hier gleich berichte, findet bereits seit den 1980ern Jahren Anwendung. Also noch weit vor der Gründung der Beefscouts. In diesem Bericht geht es um den Betrug mit Rindfleisch. Im speziellen geht es hier um gefälschtes Kobebeef.

Bereits von Mitte Dezember 2016, bis in den Januar 2017 hinein, gab es in der Fleischwelt ein kleines Erdbeben. Ein Lebensmittelchemiker namens Udo Pollmer wies in einer Veröffentlichung auf einen Betrug mit Rindfleisch hin, der die Welt erschüttern sollte. Seinen Angaben zufolge, sollte bereits seit den 1980er Jahren ein Betrug am Verbraucher satt gefunden haben. „Statt der teuren Wagyurinder würde oft das chemisch behandelte Fleisch alter Milchkühe auf dem Teller landen.“ Weiter sagt Pollmer: „Als Rohstoff dienen ausgemusterte Milchkühe – also meistenteils alte, zähe Viecher – deren Fleisch mit einer Fettemulsion aufgepeppt wird. [...] Natriumcaseinat - also Milcheiweiß - sorgt für eine weiße Optik und die Stabilität der Fettäderchen.“ Weiter beschreibt er: „Die Technik sei mittlerweile extrem ausgefeilt und auch japanische Kunden würden den Unterschied nicht erkennen.“

Oh mein Gott. Eine Täuschung am Verbraucher. Wie schrecklich. Nein, wie gemein. Natürlich ist das eine krasse Behauptung und ein schwerer Vorwurf, aber sind wir mal ehrlich. Wie lange wird der Verbraucher den schon von der Lebensmittelindustrie getäuscht? Doch nicht erst seit gestern. Habt Ihr Euch mal wirklich intensiv mit den Lebensmitteln beschäftigt? Es gibt schon immer Ersatzstoffe zu irgendwelchen Lebensmitteln. Heute mehr denn je. Lest Euch doch mal die Packungsbeilage Eurer Einkaufslisten durch. Wisst Ihr überhaupt noch, was Ihr da esst? Habt Ihr noch einen Überblick über die ganzen Inhaltsstoffe und Geschmacksverstärker? Wenn man die Lebensmittel nicht selbst herstellt und verarbeitet, wie will man noch wissen, was da alles drin ist. Wer versteht schon, was da alles auf den Packungsbeilagen steht? Ich jedenfalls nicht. Ich bin kein Lebensmittelchemiker oder Lebensmitteltechnicker. Ich bin nur ein Verbraucher.

Wie aber um Himmels-Willen, kommt Herr Udo Pollmer auf so eine Behauptung? Ganz einfach. Es ist einem Zufall zu verdanken. Der Fall eines zweijährigen japanischen Kindes machte gerade die Runde in den sozialen Netzwerken: „Als es von einem Steak gekostet hatte, erlitt das Kind einen lebensbedrohlichen allergischen Schock. Nach Angaben seiner Eltern war ihr Steppke zwar allergisch gegen Milch, nicht aber gegen Rindfleisch. Naturgemäß ähneln sich die Eiweiße von Rindfleisch und Kuhmilch stark, so dass eine allergische Reaktion eigentlich nicht verwunderlich wäre. Doch diesmal war es anders: In das Steak war tatsächlich Milcheiweiß eingearbeitet worden.“ Ein Zufall, der diese Fälschung ans Licht brachte. Irgendwie surreal.

Der hier geschilderte Fall des Kindes ist extrem selten, aber prinzipiell auch bei uns möglich. Das Problem hierbei ist, meiner Meinung nach „mal wieder“, das der Verbraucher diese Betrugsmasche durch sein Kaufverhalten stützt und fördert. Warum, das erklärt Udo Pollmer weiter in seiner Veröffentlichung: „Seit 2013 darf Wagyufleisch auch in die EU importiert werden. Da die Nachfrage weltweit steigt und echte Steaks auch in Japan kaum noch bezahlbar sind, floriert die Produktion des nachgemachten Luxusartikels. Das Internet ist voll von Angeboten – auf den ersten Blick wirkt alles echt. Zudem dürfte auch hierzulande die Versuchung groß sein, Fleisch älterer Rinder edler erscheinen zu lassen. Ein norddeutscher Geflügelvermarkter hat schon vor Jahren ein ähnliches Verfahren wie die Japaner ersonnen. Demnach wird Hähnchenschlachtkörpern eine Öl-Wasser-Mischung injiziert, die das trockene Fleisch saftiger macht. Erfahrungsgemäß steigt mit dem Fettgehalt auch die Kundentreue.“

MEIN PERSÖNLICHES FAZIT:

Natürlich behandel ich diese Veröffentlichung von Lebensmittelchemiker Udo Pollmer mit etwas Humor und einem Augenzwinkern. Ich bin zwar erst seit 1 ½ Jahren in Sachen „gutes Fleisch“ unterwegs, dennoch bin ich in dieser Zeit mit einigen Problemen der Fleischindustrie und auch der allgemeinen Lebensmittelindustrie konfrontiert worden. Ich weiß mittlerweile, dass nicht alles „Gold ist was glänzt!“ Aber, ich will gerne einen Beitrag zur Aufklärung beitragen. Ich, Ihr, gemeinsam sind wir Verbraucher, die eine Marktmacht haben. Diese können wir nutzen um Dinge zu verändern. Wir müssen es nur wollen. Alle zusammen.

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