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Beefscouts

Der Fleischblog

Die Jungbullen-Lüge

Alex geschrieben am 26.02.2017

Neulich habe ich auf dem Online-Blog „Schlaraffenwelt – Expedition Genuss“ einen sehr interessanten Bericht über Jungbullen-Fleisch und die Lüge am Verbraucher gelesen. In dem Bericht „Die Jungbullen-Lüge“ erzählt Autor David Seitz etwas über seine Erfahrungen mit Jungbullenfleisch und bezieht dabei auch eine ganz persönliche Stellung und äußert sich klar. Da ich natürlich auch schon so meine Erfahrungen mit Jungbullen-Fleisch gemacht haben, möchte ich gerne ein Paar Stellen aus dem Artikel zitieren und auch gerne meine Meinung dazu kundtun. 

„Je günstiger das Preisniveau, desto öfter findet man das „Qualitätsprädikat“ Jungbulle auf Verpackungen und Frischetheken-Kreidetafeln. [……] Nirgends wird behauptet, dieses Fleisch sei schmackhaft, saftig oder zart. Die fehlgeleitete Interpretationsleistung der Verbraucher wird zwar durch die bewusst prominente Platzierung dieses Begriffs forciert, doch letztlich geht der Konsument dem Schwindel ganz selbstständig auf den Leim. „Jungbulle“ suggeriert einen Genuss, der nicht geliefert wird.” Eine Meinung von David Seitz, die ich teile. Genau das ist das Problem des Einzelhandels und seiner Marktmacht. Durch verschiedene Maßnahmen wird dem Kunden suggeriert, Sie würden ein gutes Produkt erwerben. Ein Produkt, das einem ein gutes Gefühl vermittelt und den Verbraucher über alle Bedenken hinwegsehen lässt. Aber der Verbraucher ist es doch, der genau das fordert. Die Verbraucher wünschen sich doch günstiges Fleisch und kaufen dieses doch auch gezielt ein. Jeder Kunde hat immer die Wahl zu entscheiden, welches Fleisch er kaufen möchte. Er muss ja nicht das „günstige Jungbullen-Fleisch“ kaufen, sondern könnte sich ja auch qualitativ hochwertiges Fleisch kaufen. Nirgendwo anders als hier in Deutschland hat der Verbraucher eine größere Marktmacht. Der Verbraucher entscheidet indirekt also immer selbst, was Ihm der Händler anbietet. Die Nachfrage bestimmt den Markt.

Was aber, ist denn das Problem an Jungbullenfleisch? Warum kritisiert Ihr dieses Fleisch denn so? Das erkläre ich Euch sehr gerne und beziehe dazu auch die Meinung von David Seitz ein. David Seitz schreibt dazu folgendes: „Die nüchternen Fakten sehen so aus: Jungbullen besitzen von Natur aus wenig bis kein intramuskuläres Fett. Die Anwesenheit von Fett wiederum ist Grundvoraussetzung dafür, dass der Geschmack des Fleisches sich entfalten kann und an den Geschmacksrezeptoren des Verbrauchers ankommt. Fett macht Fleisch zudem zart und saftig, da die kleinen Adern beim Braten schmelzen und kleine, flüssige Gel-Einschlüsse bilden. Jungbullenfleisch schmeckt deshalb fast immer fad, eher trocken, mürbe und säuerlich.“ Das beschreibt auf den Punkt meine Meinung und ist keine Wissenschaft, sondern ein ganz natürliches Problem. Natürlich kann ein junges Tier noch kein Fett angesetzt haben. Wie soll es denn auch. Heutzutage werden die Tiere nur 12 bis maximal 18 Monate alt. Diese kurze Lebenszeit verbringen die Tiere zu meist in engen Stallungen mit ganz wenig Bewegung. Bewegung ist für die Beanspruchung der Muskeln aber lebensnotwendig und somit natürlich auch für deren Wachstum. Ohne Bewegung kann sich natürlich kein Fett einlagern und somit auch kein Geschmack. Stattdessen werden die Tiere schnell und stark gemästet damit sie schnell das nötige Schlachtgewicht erreichen. Das hat aber zur Folge, dass sich Wasser in den Muskeln und im Körper einlagert. Das wiederum wirkt sich bei der Zubereitung dann negativ aus. Das Fleisch schrumpft dann meistens zusammen und verliert dabei viel Wasser und wird trocken und zäh.

Ich habe in meiner fast 1 ½ jährigen Zeit als Beefscout sicherlich auch schon das ein oder andere Stück Jungbullenfleisch gegessen und musste da natürlich auch erst mal meine Erfahrungen machen und gerade am Anfang viel lernen. Doch je mehr ich mich mit der Thematik „gutes Fleisch“ beschäftigt haben, desto größer wurde mein Abstand zu „Jungbullen-Fleisch“. Es ist, wie es ist und wie David Seitz es auch beschrieben hat. Jungbullenfleisch ist einfach total geschmackslos und ohne Seele.

27.02.2017 Richtigstellung/ Korrektur / Ergänzung

Zu aller erst möchte ich eine kleine Korrektur zu oben stehenden Text vornehmen. Ich habe geschrieben, das Jungbullen maximal ein Alter von 18 Monaten erreichen. Ein guter Freund hat mich aber darauf hingewiesen, das Jungbullen ein Alter von bis zu 24 Monaten erreichen können. Das möchte ich an dieser Stelle korrigieren.

Anschließend möchte ich gerne nochmals Stellung zu dem Beitrag nehmen, da es hier viele Diskussionen gab. Natürlich ist nicht grundsätzlich jedes Jungbullen-Fleisch schlecht und geschmacklos. Wir selbst haben es in einigen Tastings ja auch schon anders erlebt und wurden das ein oder andere Mal auch schon positiv überrascht. Das sind aber Ausnahmen und nicht die Regel. Ich würde mir wünschen, ich könnte mit diesem Beitrag die Ausnahmen zur Regel machen. Dann hätte ich mein Ziel erreicht. Im Moment ist es aber noch so, das der Verbraucher sein Fleisch lieber beim örtlichem Einzelhandel oder Discounter holt und dabei auf einen niedrigen Preis achtet und nicht auf die Qualität. Und genau auf dieses Fleisch bezieht sich der Artikel "Die Jungbullen-Lüge“ von Autor David Seitz. Und da gebe ich Ihm weiterhin vollkommen Recht, das dieses Fleisch einfach nur unterirdisch ist.    

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