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Beefscouts

Der Fleischblog

Einen ganzen Tag lang Oberpfalz-Beef

Alex geschrieben am 12.08.2017
  • Gegründet 1985 durch Hans und Marianne Lotter
  • Heute in zweiter Generation durch Johannes Lotter geführt
  • 3 Grundsätze: Handwerkstradition, Ideenreichtum und Heimatverbundenheit
  • immer getreu dem Motto: Klasse statt Masse, geschmackliche Vielfalt statt industriellem Einheitsbrei

Unter dem Motto "Einen ganzen Tag lang Oberpfalz-Beef" möchte ich Euch heute von meinem Besuch bei Oberpfalz-Beef erzählen. Nehmt Euch dafür ruhig ein wenig Zeit, denn der Tag war wirklich lang. Gemeinsam mit Johannes und Max Lotter habe ich an diesem Tag unter anderem die Metzgerei kennen gelernt, war zu Besuch bei zwei Bauern und Zulieferern und durfte am Abend sogar noch an einem Grillkurs in der Metzgerei Lotter teilnehmen. Das war ein wirklich langer Tag voller Geschichten die ich Euch nun im Folgenden erzählen möchte. 

Ich hoffe ich irritiere Euch jetzt nicht gleich zu Anfang damit, dass ich nun anfange von meinen Eindrücken bei der Metzgerei Lotter zu erzählen. Ihr müsst dazu wissen, dass Oberpfalz-Beef ein Teil der Metzgerei Lotter ist. Um aber zu verstehen, wie die Idee zu Oberpfalz-Beef entstanden ist, möchte ich zuerst mit der Geschichte von der Metzgerei Lotter beginnen. Die Metzgerei Lotter ist historisch gesehen eigentlich noch ein sehr junger Betrieb. Gegründet wurde Sie erst im Jahre 1985 durch Hans und Marianne Lotter, also ein Jahr nach meiner Geburt. Wer nun gut in Kopfrechnen ist, der hat schnell zusammengezählt, das die Metzgerei Lotter somit nicht mal 33 Jahre alt ist, im Gegensatz zu mir ;-). Doch schon von Beginn an wurde in der Metzgerei Lotter nach dem folgenden Grundsatz gearbeitet: "Handwerkstradition, Ideenreichtum und Heimatverbundenheit"! Deshalb ist es in der Metzgerei Lotter auch Ehrensache, dass man den Kunden dort eine hervorragende Qualität bietet, die immer in enger Verbundenheit zur Heimat steht. Hier arbeitet man getreu dem Motto "Klasse statt Masse, geschmackliche Vielfalt statt industriellem Einheitsbrei". Ein Motto, was mir natürlich von Anfang an imponiert hat. Dass die Qualität hier stimmt, davon konnte ich mich bereits im Jahr 2016 überzeugen. Mit meinen Berichten über das "Dry Aged Tomahawk Steak vom Oberpfälzer Landschwein" und dem "Dry Aged Porterhouse Steak vom Oberpfalz Rind"  hatte ich bereit zuvor zwei aussagekräftige Kostproben im Test. Heute konnte ich mir nun endlich auch ein Bild davonmachen, wo dieses tolle Fleisch denn herkommt. Präsentiert wurde das Ganze von Johannes und Maximilian Lotter. Der nächsten Generation der Metzgerei Lotter. 

Und es ging gleich fulminant los. Zur Begrüßung in der Metzgerei Lotter gab es von Johannes Lotter erst einmal einen 600 Kilo Bullen am Hacken. Ehrlich, ohne Schweiß. Ich lüge nicht und meine es ganz genauso, wie ich es gesagt habe. Da hingen tatsächlich 600 Kilo Rindfleisch von der Decke. Ein beeindruckendes Bild. Unglaublich!! Johannes wusste ganz genau, wie er mich gleich zu Anfang beeindrucken konnte. Ich habe Euch das Bild zwar schon in der Zusammenfassung gezeigt, dennoch werde ich es Euch auch an dieser Stelle nochmals zeigen, denn damals wie heute, ich bin von diesem Bild immer noch beeindruckt. Wie ich in meiner Zusammenfassung damals auch schon bereits geschrieben hatte, war fast noch faszinierender, dass das Tier hier in der Metzgerei direkt vor Ort geschlachtet wurde. Ja, Ihr habt richtig gehört. Der Bulle war eine Stunde zuvor noch am Leben und wurde direkt in der Metzgerei geschlachtet. WOW! Das war wirklich beeindruckend. Schade, dass ich nicht dabei sein durfte, dennoch war ich bereits ab dem ersten Moment beeindruckt. Denn welche Metzgerei kann von sich behaupten, dass Sie selber schlachtet? Das kann so manch ein Traditionsbetrieb der bereits seit mehreren hundert Jahren existiert nicht mehr von sich behaupten, dass er selber noch schlachtet. Auch bei meinen mittlerweile zahlreichen Besuchen von den verschiedensten Metzgereien kann ich mich nicht daran zurück erinnern, dass eine dabei war, die noch selber schlachtet. OK, ein bis zwei Ausnahmen gab es dazwischen schon noch, dennoch ist das in der heutigen Zeit eher eine Seltenheit. Deswegen an dieser Stelle ein ganz großes Lob an die Metzgerei Lotter. Johannes, das war ein toller erster Eindruck, mit dem du mich echt geflasht hast. Ihr kennt das ja alle: Der erste Eindruck ist entscheidend und manifestiert sich natürlich im Kopf. Daher habe ich mir bereits zu Anfang die Frage gestellt, wie Johannes den ersten Eindruck denn noch toppen wollte. Ich meine, niemals zuvor habe ich 600 Kilo Fleisch einfach so von der Decke hängen sehen. Das war schon echt beeindruckend und hatte einen wirklich bleibenden Eindruck hinterlassen, auch heute noch, jetzt wo ich den Bericht schreibe. Das Bild geht mir einfach nicht mehr aus dem Kopf. 

Dennoch war ich froh, dass Johannes und Max an diesem Tag noch mehr für mich geplant hatten. Deswegen stand als nächstes ein Besuch bei der Familie Lindner auf dem Programm. Die Familie Lindner züchtet und hält eine große Herde an bayrischem Fleckvieh. Das bayrische Fleckvieh ist geradezu prädestiniert dazu, sowohl als Milchvieh als auch als Fleischvieh zu dienen. Die Tiere geben regelmäßig Milch ab, liefern aber auch hervorragendes Fleisch, gerade für Steaks. Das kannte ich so vorher auch noch nicht, hat mich aber wieder beeindruckt. Habe ich an dieser Stelle doch gleich wieder was dazu gelernt. Dazu lernen musste ich auch bei meiner Einstellung in Sachen Stallhaltung. In meinen bisherigen Tastings habe ich ja immer nur nach ökologischer oder konventioneller Haltung unterschieden. Jetzt weiß ich aber, dass ich das noch einmal unterscheiden muss, denn Stallhaltung ist nicht gleich Stallhaltung. Auf der einen Seite gibt es natürlich die gebundene Stallhaltung mit Spaltenböden. Eine Art der Haltung, die ich absolut verachte und missbillige. Aber es gibt eben auch die andere Art der Stallhaltung, so wie es die Familie Lindner hier betreibt. Die Tiere sind zwar eingestallt, können sich aber frei bewegen. Bei Bedarf sogar ins Freie. Auch stehen die Tiere hier nicht auf einem Spaltenboden, sondern auf einem Schiebeboden. Glaubt mir, diesen Begriff hatte auch ich niemals zuvor gehört. Doch in diesem Moment hatte ich das Glück, direkt neben Bauer Lindner zu stehen und Ihn direkt Fragen zu können. Deshalb auch meine Frage: "Herr Lindner, was bitte ist ein Schiebeboden?" Glaubt mir, das klingt im ersten Moment sicherlich nicht so spektakulär, dennoch ist dieser Boden echt beeindruckend. Dieser Schiebeboden fährt einmal in der Stunde durch den kompletten Stall. Auf Bahnen mit einer Breite von 2,50 - 3,50 Metern schiebt dann ein Schieber sprichwörtlich die gesamte "Scheiße" einmal quer durch den Stall. Anschließend stehen oder liegen die Kühe dann wieder in einem sauberen Stall. Glaubt es mir oder glaubt es mir nicht, aber auch das war in diesem Moment sehr beeindruckend, denn niemals zuvor hatte ich ein solches System gesehen. Auf jeden Fall änderte unter anderem dieses System und das bereits zuvor gesehene meine Meinung zur Stallhaltung deutlich. Heute, mit etwas Abstand, bin ich mittlerweile zu der Erkenntnis gekommen, das Stallhaltung nicht immer gleich Stallhaltung ist. Dieser Besuch war also mehr Wert, als nur eine bloße Erfahrung. Dieser Besuch hat tatsächlich mein Verständnis und meinen Horizont erweitert. Dafür einen riesen Dank an die Familie Lindner.

Als nächstes ging es dann zum Girglbauer, einem Schweinewirt und Zulieferer der Metzgerei Lotter und wieder wurde der Besuch zu einer Bildungsreise. Auch bei diesem Besuch musste ich meine eingefahrene Meinung zur Stallhaltung hinterfragen und meinen Horizont erneut erweitern. Denn auch hier wurden die Tiere, in dem Fall die Schweine, in Stallhaltung gehalten und auch hier musste ich wieder lernen, das Stallhaltung nicht gleich Stallhaltung ist und es auch hier wieder erhebliche Unterschiede gibt. Auf dem Hof der Familie Schmidt leben ca. 300 Landschweine. Wie auch schon beim Milchbauern zuvor, leben auch diese Tiere nicht im freien, sondern in einem Stall. Aber, auch die Tiere hier leben nicht etwa auf einem Spaltenboden, sondern auf einem Stall aus dick aufgeschichtetem Stroh. Im Gegensatz zur konventionellen Stallhaltung, wo die Tiere lediglich 0,6m² Platz zum Leben haben, leben die Tiere hier auf ca. 1,5 m² Platz pro Tier. Die Tiere hier haben also doppelt so viel Platz, wie in einer konventionellen Massentierhaltung. Das dick aufgeschichtete Stroh hilft den Tieren sogar dabei, Ihrem natürlich Trieb auszuleben. Sie können sich zwar nicht unbedingt gerade in Dreck suhlen, aber sie können im Stroh herumtollen und das Stroh mit Ihrer Nase durchforsten. Insgesamt machte das auf mich einen sehr guten Eindruck und die Tiere hatten echt Spaß darin. Auch die Art und Weise wie offen und ehrlich der Bauer mir gegenüber war, hat mir sehr gut gefallen. Hier wurde nix verheimlicht und man hat auch gar nicht erst versucht, mir irgendwelche Märchen zu erzählen. Auch hier war man einfach wieder offen und ehrlich mir gegenüber und hat mir deutlich gezeigt, dass es viel mehr Alternativen zur Haltung von Tieren gibt, als Sie mir selbst bekannt waren. Daher bin ich auch über diesen Besuch sehr froh und bedanke mich auch an dieser Stelle recht herzlich für den Empfang und die Führung durch den Betrieb. Vielen Dank Familie Schmidt für den Empfang.

Danach ging es dann erst einmal wieder zurück in die Metzgerei und für einen Moment lang hieß es dann erst einmal Mittagspause. Glücklich konnte da derjenige sein, der an dieser Stelle seine Mittagspause in der Metzgerei Lotter verbringen durfte. So wie ich, denn praktischer Weise gab es in der Metzgerei auch einen ausgiebigen Mittagstisch, von dem ich nun kosten durfte. Das meine Entscheidung aus der großen Auswahl an Menüs sich dabei nur auf das Fleisch beschränkte, das überraschte dann aber auch die Verkäuferin. Meine erste Wahl fiel dabei auf das Schnitzel vom Oberpfälzer Landschwein vom Girglbauer. Auf die anschließende Frage der Verkäuferin nach einer Beilage, entschied ich mich dann für den Schweinebauch. Ebenfalls vom Girglbauer. Für mich gab es in diesem Moment kein besseres Mittagessen. Genießen konnte ich dieses Mittagessen allerdings nur alleine, denn Johannes und Max Lotter waren unterdessen damit beschäftigt, die Location für das Steak-Tasting am Nachmittag aufzubauen. 

Ja, Ihr habt richtig gehört. Mein Tag war noch lange nicht beendet, denn nun stand ein Steak-Tasting von Oberpfalz-Beef auf dem Programm. Warum denn nun aber Oberpfalz-Beef? Das möchte ich Euch an dieser Stelle nun endlich erklären. Wie ich anfangs bereits geschrieben habe, ist Oberpfalz-Beef ein Teil der Metzgerei Lotter. Die Idee zu Oberpfalz-Beef ist eigentlich durch Johannes Lotter entstanden. Er ist der Nachkomme von Gründer Hans Lotter und erster Sohn der Familie. Johannes wurde bereits früh in den Betrieb eingebunden und kam irgendwann auf die Idee, das Geschäftsmodell online zu vermarkten. Deshalb entstand die Idee zu Oberpfalz-Beef. Damit sollte die Verbundenheit zu der Region rund um die Oberpfalz ausgedrückt werden. Doch nun wollte man sich nicht mehr nur auf dem Markt rund um die Oberpfalz konzentrieren, sondern die Produkte deutschlandweit anbieten. Für die Menschen rund um die Oberpfalz ist sicherlich die Metzgerei Lotter immer noch das Synonym für das Maß aller Dinge, doch global gesehen kennt man die Metzgerei Lotter nur noch unter der Marke Oberpfalz-Beef. Deswegen war das Tasting auch ein Tasting unter der Marke Oberpfalz-Beef. Für mich spielte das in dieser Situation natürlich keine Rolle mehr, denn ich durfte in diesem Tasting mehr gutes Fleisch probieren, als ich es in einem Tasting zuvor habe jemals probieren dürfen, doch ob dieses Fleisch von der Metzgerei Lotter kam oder von Oberpfalz-Beef, das spielte in diesem Moment für mich keinerlei Rolle mehr. Denn in diesem Moment war ich einfach nur froh, dass ich bei diesem Tasting dabei sein durfte und so viel "gutes Fleisch" probieren durfte. Mir und auch den 20 anderen Teilnehmern hat es jedenfalls sehr gut gefallen und natürlich auch super geschmeckt.

Dafür vielen Dank an Johannes Lotter. Du hast mir an diesem Tag einmal das komplette Programm von Oberpfalz-Beef geboten und mich damit echt beeindruckt. An diesem Tag sind wir einmal die komplette Wertschöpfungskette durchgegangen. Wir haben die Tiere auf den Weiden und in den Ställen besucht, wir waren in der Metzgerei wo diese dann anschließend geschlachtet und verarbeitet werden und wir haben im anschließenden Tasting dann schlussendlich das Fleisch bis auf den Teller gebracht. Klar, von da aus dann auch in meinen Magen. Für mich war dieses Erlebnis deswegen auch einmalig. Das sind genau die Geschichten, die ich erleben möchte. Ich möchte wissen wo das Tier herkommt, ich möchte wissen, wie und wo das Tier verarbeitet wird und durch wem und schlussendlich möchte ich natürlich auch immer wissen, wie es schmeckt. All das hast du mir heute geboten. Johannes, ich kann mich nur vielmals dafür bedanken. Ich hoffe, ich darf irgendwann mal wieder vorbeikommen. Das wäre mir eine große Freude.    

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