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Beefscouts

Der Fleischblog

Goldhorn Beefclub Berlin

Alex geschrieben am 27.08.2017

In meinem Bericht übern den Goldhorn Beefclub schließe ich meinen letzten Bericht meiner Nachbereitung ab. Mit diesem Bericht beende ich endgültig meine Erzählungen über meine letzte Reise im Juni einmal quer durch Deutschland. Warum dieser Besuch aber sicherlich mit einer der beeindruckendsten war, das möchte ich Euch gerne mit diesem Bericht erzählen. Auch möchte ich Euch an dieser Stelle erzählen, warum dieser Besuch beinahe in einer persönlichen Katastrophe geendet ist und mich wirklich zum Schwitzen gebracht hat. Warum, das erfahrt Ihr im folgenden Bericht. 

In meinem Bericht von letzter Woche habe ich bereits erste Details über meinen Besuch in Berlin und meine Eindrücke angerissen. Dabei ging es um meinen Besuch bei Kumpel & Keule. Wie ich in dem Bericht bereits erwähnte, ist der Besuch bei Kumpel & Keule nur deshalb zustande gekommen, weil mein Termin im Goldhorn Beefclub erst spät am Nachmittag stattfand. Genau genommen war der Termin im Goldhorn Beefclub für vier Uhr angesetzt. Da ich aber bereit um elf Uhr mein Hotel verlassen musste, hatte ich bis zum Termin im Goldhorn Beefclub noch sehr viel Zeit. Diese Zeit wollte ich sinnvoll nutzen und habe deswegen die Markthalle 9 aufgesucht und mir dort mal den Stand von Kumpel & Keule angeschaut. Wie gesagt, den Bericht dazu habe ich letzte Woche veröffentlicht. Wenn Ihr mehr dazu wissen möchtet, dann schaut einfach mal in der Chronik nach. Hier möchte ich Euch aber nun erzählen, wie es weiterging und warum meine Fahrt zum Goldhorn Beefclub anschließend zu einem persönlichen Albtraum für mich wurde. Von der Markthalle 9 zum Goldhorn Beefclub, also von Berlin Kreuzberg nach Berlin Charlottenburg, waren laut Navi gerade mal 20 Minuten Fahrweg eingeplant. Da mein Termin ja erst um 17 Uhr an stand und ich bereits um 14 Uhr wieder aus der Markthalle raus war, nutze ich die freie Zeit weiter, um noch ein wenig Sightseeing durch Kreuzberg zu betreiben. Da das Navi ja nur 20 Minuten Fahrweg eingeplant hatte und ich mir selber auch etwas Karenzzeit eingeplant hatte, trat ich meine Reise zum Goldhorn Beefclub auch erst so gegen viertel nach vier an. Ich hatte also theoretisch noch 45 Minuten Zeit bis zum vereinbarten Zeitpunkt. Damit hatte ich doppelt so viel Zeit eingeplant, wie laut Navi benötigt. Doch Leute, ich kann Euch sagen, mein Navi und ich hatten keine Ahnung und sicherlich auch nicht den Berliner Berufsverkehr eingeplant. Für eine Strecke von 7,5 Kilometer habe ich tatsächlich sage und schreibe 1 1/2 Stunden gebraucht. Grob gerechnet habe ich damit gerade mal 83 Meter pro Minute geschafft. Wohl gemerkt mit dem Auto. Ich bin echt verzweifelt in dieser Situation. Drei Mal habe ich im Goldhorn Beefclub angerufen, dass ich später komme. Könnt Ihr Euch vorstellen, wie ich mich in diesem Moment gefühlt habe? Ich kam fast eine Stunde zu spät und sollte mich dann mich Josh Jabs treffen. Einem Menschen, der sich auf die Fahne geschrieben hat, einmal der größte Pitmaster der Welt zu werden. Einem Menschen, der schon so viel im Leben erreicht hat, wie kaum ein anderer zuvor. Ein Pionier, ein Vorreiter, ein Mensch der seine Zeit geprägt hat. Und ich Idiot habe es nicht einmal geschafft, zu diesem Termin pünktlich zu kommen. Ich hätte im Erdboden versinken können. Das war mir ja sowas von peinlich. Unglaublich!!! Wie sollte ich Josh nun unter die Augen treten können? Wie hätte ich das entschuldigen können? Mehr als zu beschwören, dass es mir leidtut, konnte ich an dieser Stelle doch gar nicht tun. Ich wusste ja nicht mal, ob Josh nun überhaupt noch Zeit für mich hatte oder ob Er nicht sogar sagen würde, dass der Termin nun leider nicht mehr zu realisieren sei. Ich hatte sogar die Befürchtung, dass mein Besuch nun ganz im Sande verlaufen würde.

Ich entschuldigte mich wirklich vielmals und war wirklich demütig und voller Reue, dass ich zu spät gekommen war. Haarklein erzählte ich Ihm von meiner abenteuerlichen Reise durch Berlin und meinem Versuch, pünktlich zu erscheinen. Mit allem hätte ich gerechnet, doch wirklich nicht mit seiner anschließenden Reaktion. Josh war ganz gelassen und zeigte mir gegenüber sogar Verständnis. Schließlich lebe Er schon lange genug in Berlin, um urteilen zu können, wie das Leben und der Verkehr hier in Berlin so funktionieren. Josh zeigte mir gegenüber tatsächlich Verständnis und reagierte mit einer Gelassenheit, wie ich Sie sicherlich nicht erwartet hätte. Ich habe praktisch sämtliche Vereinbarungen versaut, dennoch war Josh ganz entspannt und zeigte Verständnis. War das die berühmte Berliner Art, von der immer alle sprechen? Diese berühmte Gelassenheit? In dieser Situation war ich auf jeden Fall sehr froh über die Gelassenheit von Josh, denn so hatte Er mir auf jeden Fall jeglichen Stress und jede Anspannung genommen. Dafür einen ganz großen und persönlichen Dank an Josh Jabs. Das hat mir in dieser Situation sehr geholfen.

Geholfen hat es mir vor allem dabei, die Atmosphäre im Goldhorn Beefclub aufzunehmen. Ich meine als ich um 17 Uhr dort eingetroffen bin, war es kurz nach der Eröffnung. Das heißt es war Besuchertechnisch sicherlich noch nicht viel los. Das war an dieser Stelle aber auch gar nicht schlimm, denn so konnte ich die ersten Eindrücke aus dem Goldhorn Beefclub ganz in Ruhe aufnehmen und ich muss sagen, die waren schon beeindruckend. Nicht unbedingt das Restaurant selbst, nein, viel mehr das, was sich an der Wand des Restaurants befand. Im Detail meine ich damit die Reifekammer!!! Ich kann wirklich behaupten, das ich in meiner fast zweijährigen Zeit als Beefscout schon so einiges gesehen und erlebt habe, doch wie immer im Leben, gibt es für fast alles eine Steigerung. So auch für diesen Reifeschrank im Goldhorn Beefclub. War das überhaupt ein einzelner Reifeschrank? Oder waren das doch mehrere Reifeschränke aneinandergereiht? Um ehrlich zu sein, konnte ich das im ersten Moment gar nicht so genau erkennen. Doch auf den zweiten Blick wurde es mir dann ersichtlich. Bei diesem Apparat hat es sich tatsächlich um einen einzigen, durchgehenden Reifeschrank gehandelt. Und, als dass selbst nicht schon beeindruckend genug gewesen wäre, nein, das Geheimnis "Inside" war noch viel beeindruckender. Denn, gegenüber allen Reifeschränken zuvor die ich jemals gesehen hatte, hatte dieser Reifeschrank noch ein viel größeres Geheimnis in Sich. Wurden alle mir bisher bekannten Reifekammern/ -Schränke nur mit Salzsteinen betrieben, so wurden hier im Goldhorn Beefclub zusätzlich noch Kohlesteine verwendet. Ich kann Euch das bildlich praktisch gar nicht zeigen, aber ich kann Euch das versuchen zu erklären.

Dieser Aufbau sieht wie folgt aus und versucht Folgendes zu erreichen: Stellt Euch einen großen modernen Kühlschrank vor, vielleicht sogar einen Dry-Ager, in dem die kühle Luft ständig zirkuliert und umgewälzt wird. Der Kühlschrank versucht in diesem Prozess, die Luft und die Feuchtigkeit in einem ständigen Prozess umzuwälzen, sprich gleichmäßig im Kühlschrank zu verteilen. Dabei zirkuliert die Luft immer wieder von oben nach unten. In einem normalen Reifeschrank zirkuliert die Luft dabei ständig an integrierten Salzsteinen bzw. Salzkristallen vorbei. Durch diesen Prozess soll dem Fleisch die Feuchtigkeit entzogen werden, wodurch das Fleisch einen eigenen Geschmack und eine eigene Konsistenz entwickeln soll. Josh Jabs geht mit seinen Reifeschränken sogar noch einen Schritt weiter. Das Fleisch reift hier nicht nur in einer Salzkammer, nein, es reift hier zusätzlich auch noch durch Kohle. Ja, Ihr habt richtig verstanden. In den Reifeschränken von Josh Jabs durchläuft das Fleisch praktisch zwei Reifeprozesse. Die Luft zirkuliert dabei ständig zwischen zwei Klimazonen. Im ersten Prozess steigt die Luft nach oben. Dabei zirkuliert die Luft ständig an den Salzsteinen an der Rückwand des Reifeschrankes vorbei. Im zweiten Moment aber, da zirkuliert die Luft ganz natürlich wieder nach unten. Doch noch bevor die Luft wieder aufsteigt, durchläuft Sie am Boden der Kammer eine Art Kohleboden. Dadurch soll das Fleisch zusätzlich haltbarer und noch aromatischer gemacht werden. Was genau das Geheimnis dahinter ist, wollte mir Josh natürlich nicht im Detail erklären, doch das dieser Prozess funktioniert, beweist das Fleisch, welches sich in den Reifeschränken befindet. Ich meine, im Normalfall hängt das Fleisch vielleicht 4-8 Wochen im Reifeschrank. Doch hier hängt das Fleisch teilweise mehr als zwei Jahre ab. Ihr merkt also, es gibt für alles immer noch eine Superlative und hier im Beefclub stand definitiv eine davon. Wer sich jetzt natürlich fragt, was hängt da den schon für ein altes Fleisch drin? Dem sei gesagt, hier hängt tatsächlich sogar Wagyu Kobe Fleisch bis zu zwei Jahre ab. Dieser Anblick war schlichtweg der Wahnsinn und kaum in Worte zu fassen. Das geht wirklich nicht. Da kann ich Euch nur versuchen, mit Bilder einen Eindruck zu vermitteln. Besser aber noch, Ihr guckt Euch, dass selbst mal vor Ort an. Ein unbeschreibliches Erlebnis. Ich meine, diese Stücke in dem Reifeschränken sind teilweise bereits alle verkauft. Die Faszination zu dem Goldhorn Beefclub und dem Fleisch hier ist so groß, dass Josh regelmäßig Gäste aus aller Welt begrüßt, die hier im Goldhorn Beefclub einfach mal so vorbeikommen, um sich ein Stück "richtig gutes Fleisch" zu gönnen. Leute einfach echt unbeschreiblich. Ehrlich mit ganz vielen Ausrufezeichen!!!!!!!!!

Und soll ich Euch was verraten??? Ich durfte doch tatsächlich ein Stück Fleisch aus der Reifekammer probieren. Dazu holte Josh ernsthaft einen zwei Jahre alten Rinderrücken von der Simmentaler Färse aus dem Schrank und ließ mir ein schönes Bone-In-Ribeye Steak durch den Küchenchef zurechtschneiden. Ihr könnt Euch ja vorstellen, wie meine Augen nun am Funkeln waren. Nein, das könnt Ihr Euch nicht mehr vorstellen. Nicht im Entferntesten könnt Ihr Euch eine Vorstellung davonmachen. Aber egal, ich schreibe es trotzdem. Wie sollte ich mich an dieser Stelle auch noch anders ausdrücken. Naja, als wenn die Ehre für mich an dieser Stelle nicht schon groß genug gewesen wäre, so durfte ich anschließend gleich einen Blick in die Küche werfen und dem Küchenchef dabei über die Schultern schauen, wie Er dieses zwei Jahre alte Bone-In Ribeye für mich zubereitete. Dabei lief mir das Wasser im Munde zusammen. Dieser Geruch von dem Fleisch auf dem Grill, diese Optik, wie die Flammen vom Grill hochgeschlagen sind und diese Geräusche, wie das Fleisch unter der Hitze stöhnte. Wunderschön!! Ich könnte ja jetzt noch anmerken, dass es dazu zusätzlich vorab einen leckeren Schinken vom Zwerg-Zebu gab und dass ich so ein richtig geiles Wachtelei-Tartar probieren durfte, doch das lasse ich an dieser Stelle mal außen vor und komme wieder zurück zum Fleisch. Nachdem dieses auf dem HajaTec Grill einmal richtig unter Feuer gesetzt wurde, kam es anschließend in einen Hold-o-Maten um das Fleisch auf den Garpunkt zu ziehen. Danach wurde das Fleisch dann nochmals kurz unter Feuer gesetzt und dann schön tranchiert. 

Mein Eindruck vom Fleisch? Neeee Leute, den behalte ich jetzt mal für mich. Das könnte ich Euch nicht gar nicht beschreiben oder verdeutlichen. Das müsst Ihr selbst herausfinden. Ich kann Euch nur so viel sagen, ich war mehr als begeistert. Nicht nur von dem Fleisch welches ich probieren durfte. Natürlich war das was ganz Besonderes, was auch sicherlich Ich so schnell nicht mehr serviert bekomme. Aber es war viel mehr als Das, was mich begeisterte. Ich war begeistert von Josh Jabs und seiner Art, ich war begeistert vom Goldhorn Beefclub und der dortigen Atmosphäre. Besonders beeindruckt war ich natürlich auch von den Reifekammern und ganz klar auch vom Fleisch darin. Aber es war der Gesamteindruck der mich einfach nur flashte. Eben alles in und um den Goldhorn Beefclub. Ich kann nur eine ganz klare Empfehlung aussprechen. Seid Ihr auch nur im Entferntesten irgendwann mal in der Nähe von Berlin, besucht bitte den Goldhorn Beefclub. Das sind Eindrücke, die Euch so schnell nicht mehr loslassen werden, das verspreche ich Euch. Und ich gebe hiermit mir selbst auch ein Versprechen. Für mich gilt genau das Gleiche. Ich werde den Goldhorn Beefclub wieder aufsuchen. Die Eindrücke von hier werden mich noch sehr lange Zeit fesseln.

Dafür kann ich mich an dieser Stelle nur vielmals bedanken. Vielen, vielen Dank lieber Josh. Vielen Dank für deinen Empfang und vielen Dank für deine Gastfreundlichkeit. Es war mir eine große Freude dich und deinen Club kennen zu lernen.      

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