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Beefscouts

Der Fleischblog

Hinter den Kulissen vom Bauernhof Hütter

Christian geschrieben am 03.08.2016

Der heutige Bericht gehört zur Rubrik „Beef and Meet“ und geht dem Ursprung eines guten Stückes Fleisch auf den Grund. Nachdem wir bereits hinter die Kulissen eines Schlachtbetriebs schauen durften und auch bereits den Betrieb eines Online Shops inspiziert hatten, ergab sich nun für uns die Gelegenheit einen Zuchtbetrieb unter die Lupe zu nehmen. Hierzu folgten wir sehr gerne und voller Neugier der Einladung von Familie Hütter aus Sprockhövel. Die Dame des Hofes, Birgit Hütter, nahm uns freundlich in Empfang, um uns einen Einblick in die Haltung, die Stallung sowie die Weideflächen des Bauernhofes, der seit 1932 in Familienbesitz ist, zu gewähren. Anfangs wurden schwarz-bunte Milchkühe gehalten, diese Haltung wurde 2007 aber beendet und der Betrieb auf Fleischerzeugung umgestellt. Birgit Hütter kaufte 1993 die ersten Galloway Rinder. Seit 1995 leben Galloways auf Bauernhof Hütter, anfangs (12 Jahre lang) parallel zu den schwarzbunten Milch-Kühen.

Bevor ausschließlich Galloway und Angus Rinder gehalten wurden, gab es auch Piemonteser-Rinder auf dem Hof. Fast alle Piemonteser-Zucht-Rinder wurden 2015 verkauft, bis auf „Vanilla“ mit ihrer Nachzucht, diese leben immer noch auf dem Hof. Familie Hütter ist Mitglied im „Verband Deutscher Angus Züchter“ und im „Verband Deutscher Galloway Züchter“. Der Bauernhof hält insgesamt 120 Rinder. Davon 52 Mutterkühe, 30 Bullen und 38 Stück Jungvieh. Die älteste Kuh „Greta“ wurde 2001 geboren und führt gegenwärtig ihr 13. Kalb. Die Zweitälteste Kuh „ Arizona“ wurde 2003 geboren und führt gegenwärtig ihr 12. Kalb. Beide Kühe erfreuen sich noch bester Gesundheit und sind jeweils Herdenchefin. (Greta bei den Angus, Arizona bei den Galloways) Die Weidefläche der Galloway Rinder umfasst ca. 7ha und liegt in einem Naturschutzgebiet. Die Hofweide, die von den Angus Rinder beweidet wird, umfasst ca. 12 ha. Darüber hinaus gibt es noch viele kleinere Weideflächen. Zusätzlich züchtet die Familie Hütter noch Duroc Schweine, welche aber aus Platzgründen nicht auf dem eigenen Hof gehalten werden. Die Aufzucht übernimmt ein befreundeter Bauernhof.

Abseits der Weideflächen werden die Bullen auf dem Bauernhof in zwei verschiedenen Stallungen gehalten, von denen aus sie jederzeit einen offenen Zugang nach draußen haben. Die Angus-Bullen bekommen eine energiereichere Ration mit hofeigenem Getreide. Galloways wachsen langsamer und begnügen sich mit Gras, Heu und Silage. Die weitläufigen Weideflächen erstrecken sich über ein großes Gebiet in und um Sprockhövel herum. Es sind mehrere verschiedene Weiden notwendig, um bestimmte Gruppierungen selektiert zu halten und jeweils dem passenden Bullen zuzuführen. Die weitläufigen Weideflächen erstrecken sich über ein großes Gebiet in und um Sprockhövel herum. Es sind mehrere verschiedene Weiden notwendig, um bestimmte Gruppierungen selektiert zu halten. Auch Weideochsen gibt es auf dem Bauernhof Hütter. Sie werden in „Junggesellengruppen auf den Weideflächen gehalten. „Die Tiere stehen fast ganzjährig auf den Weiden und werden erst im Winter aufgestallt“ erklärt uns Birgit Hütter. In den Wintermonaten wird Heu und Gras-Silage verfüttert. Die Angus-Bullen bekommen auch betriebseigenes Getreide. Die Galloway Rinder bekommen keine Getreidezufütterung, sondern ernähren sich von frischem Gras oder Heu. Das führt zu einer längeren Wachstumszeit der Galloway Rinder. Galloway Rinder haben die die Eigenschaft, grobes Gras und Kräuter zu verwerten und langsam gewachsenes, qualitativ hochwertiges Fleisch zu produzieren.

Galloway Rinder haben ihren Ursprung in Schottland, in der Region Galloway. Im Südwesten Schottlands gab es die ersten Zuchtbetriebe, daher auch die Namens-gebung. Galloway Rinder gibt es in verschiedenen Farben. Der Bauernhof Hütter züchtet in erster Linie schwarze Galloways. Daneben gibt es weiße Galloways mit schwarzem Fell am Auge sowie Ohren, blonde Galloways sowie „Belted“ Galloways, welche, mit Ausnahme eines weißen Gürtels um die Bauchpartie, schwarz sind. Galloways haben ein langes, büffelähnliches Haarkleid mit einem pelzartigen Unterfell. Daher benötigen sie auch weniger eigenes Rückenfett. Anders bei den Angus Rindern, die eher ein kurzes Fell haben. Die rote bis rotbraune Färbung ist hier für den Namen „Red Angus“ verantwortlich. Die Schottische Region Aberdeen trägt hier noch zu dem Namen „Aberdeen Red Angus“ bei. Sowohl Galloways als auch Angus haben ein ruhiges, sanftes Wesen. Angus Rindern werden wesentlich größer und schwerer, was aber nicht bedeutet, dass Galloways nicht ebenso mutig sind, wenn es um die Verteidigung der Herde oder der Jungtiere geht.

„Alle unsere Rinder sind homozygot (reinerbig) hornlos“ erklärte uns Frau Hütter, d.h. die Kälber werden immer hornlos geboren, selbst wenn man mit Longhorns kreuzen würde.

Familie Hütter schlachtet nicht selbst. Dies übernimmt ein Schlachtbetrieb in Lippstadt, welcher auch die Tiere abholt und stressfrei transportiert. Zerlegt wird dann auf dem Hof selbst. Den Verkauf übernimmt Birgit Hütter persönlich. „Es ist mir ein großes Anliegen, dem Kunden noch eine gute Beratung in Bezug auf unser Fleisch mit nach Hause zu geben" erläutert sie uns. Frau Hütter bot uns an, zu einer Weide mit Galloway Rinder zu fahren. Selbstverständlich sagten wir "ja" und fuhren los. Ein kurzes Stück auf der Straße und dann ging es in einen Waldweg. Am Ende des Waldweges, vorbei an 2 versteckten Wohnhäusern, waren wir da. Eine weitläufige Weidefläche, mit Galloway Rindern, die sich im Schatten ausruhten. Natürlich wurde unsere Anwesenheit bemerkt und ein paar Rinder standen auf und wanderten langsam von uns weg. Wir liefen auch ein Stück die Weide hinunter und schauten uns die große Weidefläche genauer an. Am untersten Rand der Fläche waren größere Nadelbäume, unter denen es sich die Galloways an heißen Tagen gemütlich machen. Alles wirkte hier sehr ruhig und naturnah, fast schon romantisch. Beim Beobachten der Rinder konnte man den kompletten Alltagsstress vergessen. 

Nachdem wir zusammen mit Frau Hütter einige Zeit an, um und auf der Weide verbracht hatten und die Gelegenheit bekamen einige Eindrücke mit der Kamera festzuhalten, ging es zurück zum Hof. Hier gab es noch Kostproben der hausgemachten Blut - und Leberwurst.

Einen großen Dank an die Familie Hütter für diese intensive und lehrreiche Führung in und um ihren Betrieb. Nach der nächsten Schlachtung werden wir das Fleisch dieses Hofes probieren und natürlich auch dazu einen Bericht verfassen. Es hat uns riesigen Spaß gemacht.

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