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Beefscouts

Der Fleischblog

Mein Besuch bei Kumpel & Keule

Alex geschrieben am 21.08.2017
  • Kumpel & Keule steht für eine junge Generation von Metzgern
  • Im Mittelpunkt stehen dabei Transparenz, die handwerkliche Herstellung, die Herkunft und vor allem der Geschmack
  • Es geht um eine genussvolle Balance von alt bewährter Tradition und neuen internationalen Geschmäckern

Eigentlich wollte ich die Jungs von Kumpel & Keule schon bei meinem ersten Berlin-Aufenthalt besuchen. Doch erst auf meiner letzten Reise durch Deutschland und meinem mittlerweile dritten Aufenthalt in Berlin habe ich es endlich geschafft, mal in der Markthalle 9 vorbei zu schauen und mir einen Eindruck von Kumpel & Keule zu machen. Hier folgt nun mein Bericht dazu.

Bevor ich Euch aber von meinem Besuch selbst erzähle, möchte ich Euch gerne etwas von Kumpel & Keule selbst erzählen und wie die Idee dazu entstanden ist. Für Jörg und Hendrik, die Gründer von Kumpel & Keule, war es viele Jahre lang ein Dorn im Auge, wie die Fleisch- und Wurstwirtschaft zu Grunde geht und damit immer mehr und mehr auch das deutsche Fleischer- und Metzgerhandwerk. Für die beiden waren Fleisch und Wurst zur Ramschware geworden, die wortwörtlich "blass und geschmacklos war und mancherorts billiger als Hundefutter angeboten worden war". Ein Niemand konnte doch mehr sagen, wo das Tier überhaupt herkommt bzw. wie es auf den Bauernhöfen gelebt hatte. Niemand konnte noch nachvollziehen, welche Hand die Wurst oder den Schinken hergestellt hat, Sie blieb schließlich unsichtbar. "Eben ein Stück Fleisch ohne Herkunft und Geschichte". Genau das wollten Kumpel & Keule nun ändern. Deswegen beschlossen Jörg und Hendrik, eine Metzgerei nach neuen Maßstäben und im neuen und modernen Design zu eröffnen. Sie wollten eine neue, junge Generation von Metzgern und deren Handwerk erschaffen, die mit Leidenschaft und Überzeugung auf der Suche nach allumfassender Qualität vom Acker bis auf den Teller steht. Deswegen entschiedenen Sie sich gezielt für die Eröffnung einer Metzgerei in der Markthalle 9 in Berlin. Das Besondere daran, hier stehen Transparenz, die handwerkliche Herstellung, die Herkunft des Fleisches und vor allem wieder der Geschmack im Vordergrund. Und mit der Transparenz haben die Jungs es hier wortwörtlich genommen. Die gesamte Metzgerei ist praktisch ein einzig offener Komplex. Hier können die Besucher wirklich jeden Schritt verfolgen. Vom kleinen Metzger-Kämmerchen bis hin zur Küche, hier bleibt wirklich nix verborgen. Mehr Transparenz an dieser Stelle geht nicht. Auch beim Fleisch steht die Transparenz natürlich im Vordergrund. Bereits im Vorfeld werden die Höfe und auch die Schlachtbetriebe von den Jungs von Kumpel & Keule explizit ausgewählt und alle samt auch besucht. Bei allem steht das Wohl der Tiere von der Aufzucht bis zur Schlachtung und die besondere Fleischqualität an vorderster Stelle. Sie machen also genau das, was ich auch praktiziere. Nur halt schon etwas länger und natürlich sehr viel erfolgreicher. Die Jungs und die Metzgerei waren wirklich schon in unzähligen Fernsehsendungen und den sozialen Medien vertreten. Ich bin froh, dass ich es mit meinem heutigen Besuch dann auch endlich mal geschafft habe, mir das Ganze mal anzugucken. 

Um es vorweg zu nehmen, mein Besuch war nicht angemeldet und ich hatte zuvor auch keinen Termin verabredet. Ich war mehr zufällig dort, weil ich nachmittags noch einen Termin im Goldhorn Beefclub hatte. Doch da bis zu dem Termin noch viel Zeit war und ich bereits am Vorabend in Berlin angereist war, habe ich die dritte Chance dann endlich genutzt, der Metzgerei von Kumpel & Keule endlich mal einen Besuch abzustatten und mir selbst mal ein Bild von der Metzgerei zu machen. Wie es war wollt Ihr wissen? Naja, sagen wir mal so. Das Konzept leuchtet mir sicherlich ein und die Idee von Jörg und Hendrik ist auch erkennbar, doch um ehrlich zu sein fand ich das jetzt im ersten Moment nicht so spektakulär, wie ich es eigentlich erwartet hätte. Klar, ich habe eine offene und gläserne Metzgerei vorgefunden bzw. so einen abgetrennten Bereich in einer großen Halle, in der jeder Arbeitsschritt von außen ersichtlich war. Die Metzgerei an sich war sicherlich auch schon eine der besonderen Art. Doch meiner Meinung nach ist das Konzept in dieser großen Markthalle ein wenig verloren gegangen. Denn irgendwie haben in der Markthalle alle Stände sehr offen gearbeitet und waren von außen einzusehen. Für mich stach das eigentliche Konzept im ersten Moment einfach nicht hervor. Doch im zweiten Moment wurde es dann klarer. Als ich mich dann ein wenig der Metzgerei näherte und mir mal ein wenig die Details angeschaut hatte, da wurde mir das Konzept wesentlich schlüssiger. Vor allem beim Anblick der Auslage, damit meine ich natürlich der Fleischauslage. Hier wurde mir das Konzept am ehesten und klarsten ersichtlich. Was hier in Fleischtheke lag, stammte fast ausschließlich aus Schwäbisch Hall. Leckerei vom Schwäbisch Hallischem Landschwein und vom Boeuff de Hohenlohe, dem Rindfleisch aus Schwäbisch Hall. Nur vereinzelt gab es Ausnahmen wie zum Beispiel eine Alternative vom Schwein, Fleisch vom Bunten Bentheimer.

Von der Qualität und der Haltung und vielen weiteren Details vom Fleisch aus Schwäbisch Hall konnte ich mich ja bereits bei meinem Besuch bei der BESH überzeugen, wo ich ein paar Tage zuvor zu Besuch war. Doch vom Bunten Bentheimer hatte ich zuvor noch nicht probieren dürfen. Deswegen habe ich die sich mir bietende Gelegenheit genutzt und gleich mal eine Mittagspause eingelegt. Obwohl, eigentlich müsste ich an dieser Stelle ja viel mehr sagen, ich habe mir dann doch etwas Arbeit aufgebrummt. Je nachdem, wie man das sieht. Für viele Leute bedeutete ein Essen in der Markthalle 9 ein Mittagessen zu sich zu nehmen. Für mich war das nun natürlich Arbeit, denn ich musste das mir vorliegende Essen dann ja kritisch beurteilen und bewerten. Ich entschied mich also für ein Stück Rücken-Lachs vom Bunten Bentheimer, frisch aus der Theke und direkt vor meinen Augen zubereitet. Eine Premiere für mich. Optisch gesehen, war das Fleisch schon sehr ansprechend. Das Fleisch selbst war eher mager durchzogen, doch der Fettdeckel, der war schon sehr ausgeprägt. Der machte schon so richtig Appetit. Schade nur, das zuvor die Schwarte entfernt wurde. Anscheinend isst man Die hier nicht so gerne. Dennoch war der optische Eindruck zufrieden stellend und Appetit anregend. Nach ca. 15 Minuten wurde mir das Fleisch dann auf einer hübsch dekorierten Schale serviert. Hier wurde das Fleisch bereits vorab schön tranchiert und zusammen mit einem Salat, ein paar Tomaten und gegrilltem Brot serviert. Für meinen persönlichen Geschmack hätte das Fleisch alleine natürlich gereicht, doch ich finde, die Beilagen waren nicht unbedingt fehl am Platz oder zu viel. Die wirkten eher dezent im Hintergrund und wirklich nur als Beilage. Optisch auch hier sehr ansprechend angerichtet der Teller. Wie das aber immer so ist und auch immer so sein wird, ist das entscheidende aber der Geschmack und der war leider nicht so, wie ich Ihn erwartet hätte. Vom Eigengeschmack vom Fleisch war leider wenig zu schmecken, dafür aber umso mehr vom Fett. Doch war das Fett weder süßlich noch buttrig, es schmeckte einfach nur penetrant nach Fett und nicht einem der angenehmen Sorte. Ich hatte mir zwar erhofft, dass das Fett dem Fleisch Geschmack verleihen würde, doch nicht so. Deshalb kann ich an dieser Stelle kurz zusammenfassen und sagen, das Fleisch hat leider nicht meine Erwartungen erfüllt.

Das Ergebnis meines Mittagessens färbt allerdings nicht negativ auf meinen Eindruck von der Metzgerei Kumpel & Keule ab. Damit bin ich für einen ersten Besuch und einen ersten Eindruck sehr zufrieden. Die Jungs erfüllen genau das, wofür Sie mit Ihrer Philosophie werben. Hier wird alles offen und ehrlich kommuniziert. Dass dieser Eindruck meiner Meinung nach in der Menge der guten Konzepte in der Markthalle 9 insgesamt etwas untergeht, finde ich nicht weiter schlimm, denn wenn man genau hinschaut und auf die Details achtet, dann erkennt man die Idee dahinter in jedem Winkel. Das nächste Mal, wenn ich in Berlin bin, will ich versuchen die Jungs um Jörg und Hendrik mal persönlich zu treffen. Dann würde ich mir die Idee und das Konzept gerne mal von Ihnen erklären lassen. Vielleicht dann auch mit ein paar mehr Hintergrundinfos.      

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