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Beefscouts

Der Fleischblog

Wagyu Gala Dinner

Alex geschrieben am 10.09.2017

Freitagabend war ich zu Gast bei einem Wagyu-Gala-Dinner der Familie Holtmann von Wagyu-Münsterland. Auf dem Programm stand ein Showkochen mit Ludwig „Lucki“ Maurer und Teppan Yaki Meister Xiao Wang. Dazu sollte es viele Leckereien vom Wagyu-Ochsen geben. Da es meine erste Veranstaltung dieser Art war, waren die Erwartungen natürlich sehr hoch. Zu Mal ich für das Ticket für den Abend 124€ bezahlt hatte. Ob der Abend sein Geld wert war? Erfahrt es im nachfolgenden Bericht.

Die Familie Holtmann von Wagyu-Münsterland hatte an diesem Wochenende zur dritten European Wagyu Gala gerufen. An zwei Tagen, also Freitag und Samstag sollte sich alles um das Thema Wagyu drehen. Freitagabend stand ein Showkochen und eine Verköstigung auf dem Programm, Samstag dann sollte es bei einer Auktion richtig rundgehen. Da ich nicht an beiden Tagen anwesend sein konnte, wegen der Arbeit, entschied ich mich dieses Mal dazu, die Wagyu-Gala aufzusuchen. Natürlich erhoffte ich mir hier auf der einen Seite eine richtig geile Show mit Lucky Maurer und Xiao Wang, auf der anderen Seite hatte ich natürlich Bock auf Fleisch. Ihr kennt mich ja, bei Fleisch kann ich einfach nicht widerstehen. Zumal ich aus der Vergangenheit ja weiß, wie geil das Fleisch von Wagyu-Münsterland eigentlich ist. Könnt Ihr Euch noch an den Bericht über das „Wagyu Flanksteak“ erinnern? Das Flank damals hatte uns nicht nur optisch voll überzeugt und zu Recht 10 von 10 möglichen Punkten bekommen, sondern war auch geschmacklich astrein. Auch preislich war Das damals der Hammer. Einfach ein geiles Stück Fleisch. Das oder Ähnliches hatte ich heute natürlich auch wieder erwartet. Klar hätte mich auch die Auktion interessiert, doch manchmal muss man eben Kompromisse machen. Ich meine, am Samstag sind die Wagyu-Rinder versteigert worden, was sicherlich auch interessant gewesen wäre, doch mein Hunger nach gutem Fleisch war einfach größer. Nächstes Jahr mache ich es dann andersrum und guck mir mal die Auktion an. Versprochen.

Das Wagyu-Gala-Dinner fand dieses Jahr im „Speicher 10“ in Münster statt. Kurz zur Geschichte des Speicher 10: Dieser wurde 1936 erbaut und diente in der Zeit von 1939 – 1945 als Verpflegungsstützpunkt und Großbäckerei der in Norddeutschland stationierten Garnisonen. Von 1945 bis ins Jahr 1994 dann, diente der Speicher als Proviantamt sowie als Stützpunkt für die Militärpolizei der Briten. Anschließend stand der Speicher fast 10 Jahre leer, bevor Er im Jahre 2003 als Eventlocation neu entdeckt wurde. Vom Scharm von damals hat Er bis heute nichts verloren. Ich muss sagen, der Eindruck der Location hatte mich schon mal überzeugt.

Kommen wir aber nun mal zum eigentlichen Abend und damit zum Gala-Dinner. Zur Begrüßung um 18:30Uhr gab es erst einmal den obligatorischen Sektempfang. Ab 19 Uhr dann, ging es aber zur Sache. Nach einer kleinen Vorstellung der Veranstalter und Gastgeber, gab es relativ schnell dann das erste Essen. Als Vorspeise an dem Abend wurden „Carpaccio und Tartar vom Wagyu-Ochsen mit asiatischem Aromen und Rahmgurken und Pfefferbroiche“ serviert. Sicherlich hübsch anzusehen, für mich persönlich aber mit viel zu viel „grünem Zeug“ übersehen. Dass Tartar war natürlich mit allerlei Gewürzen und Zutaten versehen und dass Carpaccio mit einer Soße überzogen, weshalb es für mich schwierig war, den eigentlichen Eigengeschmack vom Fleisch zu schmecken. Da es bei dem Wagyu-Gala-Dinner aber sicherlich nicht um den Fleischgeschmack ging, sondern darum, das allgemeine Publikum zu verzaubern, tat ich, was man in einer solchen Situation tut und habe die Vorspeise kommentarlos gegessen. Wir waren ja gerade mal am Anfang des Abends und es gab ja jede Menge Raum zur Verbesserung. Nach der Vorspeise gab es dann auch das erste Mal das Showkochen mit Ludwig Maurer und Xiao Wang. Wobei, eigentlich muss ich anmerken, dass eigentlich nur Xiao Wang die Show gezeigt hat, Ludwig Maurer kommentierte eigentlich nur. Aber auch das sollte noch kein Drama für mich sein, denn was Xiao Wang dort oben auf der Bühne veranstaltete, war schon echt beeindruckend. Ich habe zwar noch nie Sushi gegessen, doch wenn ich irgendwann mal in Versuchung kommen würde, dann würde ich mir wünschen, Das Es von Xiao Wang kommt und ich würde mir wünschen, dass Er das Sushi genauso zubereiten würde, wie an diesem Abend gemacht hat, mit Wagyu-Fleisch vom Hof Holtmann. Das sah wirklich hervorragend aus. Doch, hier kommt leider der nächste Kritikpunkt. Ich durfte gar nicht davon probieren. Boa, Das sah so geil aus das Sushi, ehrlich, da hätte ich gerne probiert. Doch leider war das nur für den elitärsten Kreis an diesem Abend vorgesehen, nicht aber für mich. Klar hatte mich das ein wenig enttäuscht, denn ich hätte sehr gerne von diesem Sushi probiert, doch hatte ich zugleich auch jetzt immer noch ein wenig Verständnis, für die Strategie des Abends. Immerhin wollte man diesen elitären Kreis ja von der Qualität des Fleisches überzeugen.

Also sah ich über diese Tatsache hinweg und freute mich auf die anschließenden Hauptspeisen. Zur Auswahl standen drei Stände mit ausgesuchten Speisen vom Wagyu-Ochsen. Natürlich von Wagyu-Münsterland.

Erster Stand: Rosa gebratenes im Dialog zwischen Kuba und Marrakesch

Zweiter Stand: Indische und Thailändische Impressionen von Herz, Niere und Leiterstück mit feinsten Ingwer-Hackfleischbällchen

Dritter Stand: Geschmortes als Ragout am Stück & am Spieß mit BBQ- & Grill Brasil-Gewürzen

Ich könnte jetzt auf jedes Gericht im Einzelnen eingehen, denn ich habe wirklich Alles probiert, von jedem Stand, doch ich fasse meine Meinung einfach mal zusammen. Das klingt jetzt echt krass und hart, ist es sicherlich auch, doch das Essen was mir an diesem Abend serviert wurde war mal gar nichts. Ich kann an dieser Stelle wirklich nicht behaupten, dass die Gerichte gelungen waren, ganz im Gegenteil. Ich sage an dieser Stelle ganz klar, dass die Gerichte durch die Küchencrew versaut wurden. Es war nicht das Ausgangsprodukt was schlecht war. Immerhin wurde hier Fleisch vom Wagyu-Ochsen serviert und ich kenne das Potenzial des Fleisches ja. Doch was die Küche daraus gemacht hat, war einfach nur schlecht. Auf der einen Seite wurden die Gerichte echt schlecht zubereitet, auf der anderen Seite hatte das Personal teilweise nicht mal Ahnung davon, was Sie dort serviert hatten. Ich habe Ribs und Bratenstücke probiert, die waren wie Schuhsohle. Laut Aussage des Personals sollten diese Stücke teilweise „long & slow“ schonend zubereitet sein. Doch meiner Meinung nach waren Sie einfach nur im Konvektomaten zubereitet. Das geschmackliche Ergebnis war dementsprechend teilweise echt schlecht. Dazu kam die Unwissenheit des Personals. Am ersten Stand „rosa gebratenes“ konnte der Koch nicht mal erklären, was Er dort angerichtet hat. Ich meine, ich kann in diesem Moment selbst nicht genau sagen, welcher Cut dort verarbeitet wurde, doch nach Aussage des Kochs wurde dort ein Flanksteak verarbeitet. Schaut Euch mal bitte das Foto im nachfolgenden an. Sieht das für Euch aus wie ein Flanksteak? Wohl eher nicht. Das war schon echt enttäuschend.

Danach dann gab es aber wieder ein bisschen Aufmunterung, denn dann stand wieder ein wenig Showkochen mit Xiao Wang an und endlich zeigte Er auch, warum Er Teppan-Yaki-Meister ist. Ich kann Euch sagen, das war wirklich eine Show. Ich habe so etwas schon mal in Filmen und Serien gesehen, doch diese Kunst von Xiao Wang live zu erleben, war wirklich schon sehr beeindruckend. Wie Xiao seine beiden „Werkzeuge“ über die Teppan-Yaki-Platte bewegt hat, war einfach nur großes Kino. An dieser Stelle kann ich nur zu Recht sagen, den Titel des Teppan-Yaki-Meisters hat Er zu Recht verdient. Dennoch blieb an dieser Stelle wieder ein wenig Wehmut. Denn wie auch beim ersten Showkochen an diesem Abend benutze Xiao Wang wieder bestes Wagyu-Fleisch mit der geilsten Marmorierung. Doch auch jetzt wieder waren die Show und das Fleisch nur für die elitärsten Menschen auf der Wagyu-Gala vorbehalten. Freunde, ich habe Euch mal Fotos von dem Wagyu-Fleisch für das Showkochen gemacht. Das hat mich ganz verrückt gemacht. Ich habe in der folgenden Nacht sogar davon geträumt, so geil war Das. Dass ich nicht davon probieren durfte, hat mich echt geärgert. Auch diese Klassentrennung.

Mein Fazit:

Wofür hatte ich doch gleich die 124€ bezahlt? Die Show war es nicht wert und auch nicht das Fleisch. Ganz im Gegenteil. Das Fleisch war unter aller Kanone zubereitet. Um die Familie Holtmann aber in Schutz zu nehmen möchte ich auch folgendes erwähnen. Ich habe mich im Laufe der Veranstaltung auch mit Christoph Grabowski unterhalten, seines Zeichens einer der größten Fleischexperten Deutschlands. Im Gespräch mit Ihm konnte ich in Erfahrung bringen, das die Familie Holtmann eigentlich gar nichts für die Qualität der Speisen konnte. Zur Erklärung: Die Familie Holtmann war sicherlich Ausrichter dieser Veranstaltung und hat auch das Fleisch gestellt, doch war Sie nicht für die Zubereitung der Speisen verantwortlich. Dafür war das Catering zuständig und hier muss ich sagen, ist „das Kind in den Brunnen gefallen“! Denn das Catering hat die Gerichte versaut. Ich stimme da Christoph Grabowski ganz klar zu. Nicht nur, weil ich seine Meinung schätze, sondern weil ich ganz seiner Meinung bin. Beim Catering für den heutigen Abend wurden alle Speisen in einer Großraumküche zubereitet, für eine Veranstaltung, die grob geschätzt 100-300 Personen mit Essen versorgen musste. Dass es an diesem Abend nicht für Jedermann Steak geben konnte, akzeptiere ich auch. Auch akzeptiere ich die Tatsache und wertschätze auch, dass bei diesen Gerichten getreu der Philosophie „from nose to tail“ gehandelt wurde. Doch Das diese Philosophie und die Qualität des Fleisches durch das Catering so mit Füßen getreten wurde, dass akzeptiere ich nicht. Auch akzeptiere ich nicht, dass das „gute Fleisch“ nur dem elitären Publikum vorenthalten war. Die Fotos von dem Entrecote oder dem Roastbeef vom Wagyu-Ochsen haben mich einfach verrückt gemacht. Dass ich davon nicht probieren durfte, sogar noch mehr.

Was kann ich also abschließend sagen? Meine 124€ waren meiner Meinung nach den Abend nicht wert. Rückblickend bin ich echt enttäuscht. Nicht mal das Showkochen kann meine Enttäuschung über die Veranstaltung aufheben. Mein Appell an die Familie Holtmann deshalb: Ihr habt so geiles Fleisch. Warum lasst Ihr Euch das von „einer schlechten Küche“ versauen?  

 

PS. Weiter Bilder vom Abend in chronologischer Reihenfolge findet ihr auch im Live-Blog. 

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