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Beefscouts

Der Fleischblog

Zu Besuch bei Oberlecker

Alex geschrieben am 13.06.2017

 

An Tag 8 meiner Reise durch Deutschland war ich zu Besuch in Rostock, um genauer zu sein bei Laura Gertenbach bei Oberlecker. Sicherlich ist Euch der Name "Oberlecker" im ersten Moment noch kein Begriff, doch ich möchte Euch mit meinem Bericht sehr gerne bekannt machen. Ich möchte Euch Laura und Ihr Konzept hinter Oberlecker vorstellen.

Der erste Kontakt zu Laura Gertenbach liegt schon eine ganze Weile zurück. In einer ersten Mail vor über einem halben Jahr erhielt ich eine Anfrage von Laura, ob ich nicht mal Lust hätte, das Fleisch von Oberlecker zu probieren. Sie hätte meinen Blog nun schon etwas länger verfolgt und sei von meiner Art zu bloggen sehr begeistert. Deshalb wollte Sie mir gerne mal Fleisch zum probieren zusenden. Da ich bis dahin auch niemals zuvor etwas von Oberlecker gehört hatte, machte ich mich erst einmal schlau, was hinter diesem Projekt stand. Ich betrieb erst einmal Recherche. Im ersten Moment erschien das Konzept relativ einfach. Oberlecker verfolgt das Ziel, regionale Produkte aus der Region rund um Mecklenburg-Vorpommern, in erster Linie geht´s hier erst mal nur um Fleisch, an den Endkunden zu bringen. Schon mal ein guter Ansatz für mich, um mein Interesse zu wecken. Desweiteren versucht Oberlecker eine 100%tige Transparenz zu Ihren Produkten dem Kunden gegenüber zu schaffen. Sowohl Landwirte als auch die Macher hinter den Produkten werden genannt und kommuniziert, vom ersten bis zum letzten Prozess, vom Tier auf der Weide bis hin zum Steak auf dem Teller. Der Kunde kann einfach alles zu 100% nachvollziehen. Ein weiterer Punkt, der mein Interesse weckte. Fleisch aus Freilandhaltung, 100%tige Transparenz und das Ganze Projekt war wieder ein Stück interessanter für mich geworden. Trotzdem habe ich weiter recherchiert. Dann bin ich aber auf einen Punkt gestoßen, bei dem Oberlecker mein Interesse endgültig geweckt hatte. Die Tiere werde hier per Weideschuss getötet. Bäm!!! Ich hab davon mal in einem Artikel gelesen, hätte aber nie gedacht, dass es das wirklich gibt. Jetzt war meine Neugier gepackt und ich wollte unbedingt mit den Machern hinter Oberlecker sprechen. Nach zwei, drei weiteren Mails kam es dann auch endlich zum telefonischen Kontakt mit Laura. Auf der einen Seite war mein Interesse mit der "Weidetötung" echt gepackt, auf der anderen Seite war ich aber auch ein bisschen ungläubig und skeptisch dem Ganzen gegenüber. Deshalb musste ich mir das am Telefon von Laura erst einmal erklären lassen. Und ja, Sie bestätigte mir tatsächlich die Weidetötung. Ich konnte das damals kaum glauben, doch es sollte wohl wahr sein. Also stimmte ich nach meinem Recherchen und dem Telefonat zu, gerne einmal ein Stück Fleisch von Oberlecker zu probieren.

Ich kann Euch sagen, ich erhielt dieses Paket auch. Schon vor etwas längerer Zeit. Darin enthalten waren ein T-Bone Steak vom Rind und ein Stück Lamm-Fleisch. Daran kann ich mich noch erinnern. Doch um Ehrlich zu sein weiß ich gerade gar nicht, was das für ein Stück Lammfleisch war. Ich muss zu meiner Schande auch gestehen, das sich beide Stücke Fleisch immer noch in meinem Gefrierschrank befinden und ich einfach noch nicht dazu gekommen bin, das Fleisch zu probieren. Dennoch war ich so neugierig darauf Laura und Ihr Konzept kennen zu lernen, das ich beschloss auf meiner Reise durch Deutschland auch Halt in Rostock zu machen, dem Heimatort von Oberlecker. Heute war es dann endlich so weit und ich durfte Laura und Oberlecker endlich kennen lernen. Endlich konnte ich mir detailliert erklären lassen, wie das mit der Weidetötung funktioniert.

Ich muss zugeben, nachdem mir Laura das ganze veranschaulicht und erklärt hat, ist das Prinzip der Weidetötung eigentlich recht einfach zu verstehen. Es gibt nur eine einzige Voraussetzung um dieses Verfahren anzuwenden. Ein Weideschuss darf nur dann erfolgen, wenn es sich um Wildtiere handelt. Nur dann ist der Weideschuss genehmigt und erlaubt. Ich sehe jetzt schon die Fragezeichen aufkommen, das erging mir genau so. "Was haben die Rinder auf der Weide mit Wildtieren zu tun?" Das ist eine gute Frage, aber es ist auch ein weiteres Geheimnis hinter Oberlecker, welches Laura mir erklärt hat. Ein Rind bzw. ein Tier gilt erst dann als Wildtier, wenn es mindestens 365 Tage am Stück auf der Weide verbracht hat bzw. in freier Wildbahn. Sämtliche Rinder, die bei Oberlecker angeboten werden, sind daher Wildtier. Alle haben mindestens 365 Tage am Stück auf einer Weide verbracht. Die Tiere wurden praktisch sich selbst und der Natur überlassen und genau dadurch gelten Sie praktisch als Wildtiere.  Das erst einmal zu begreifen, ist mir wirklich schwer gefallen. Dennoch ist es eine Grundvoraussetzung dafür, das die Tiere per Weideschuss getötet werden dürfen. Denn nur wenn es sich um ein Wildtier handelt, darf es per Wiedetötung geschossen werden. Ist das nicht faszinierend? Auch wenn ich es in der Praxis nicht live erleben durfte, alleine die blanke Theorie hat mich voll und ganz überzeugt und begeistert.

Trotz aller Bedenken die ich gegenüber dieser Art der Tötung habe und auch hatte, Laura konnte mich heute ein Stück weit davon überzeugen, das es eine der schonensten Arten der Tötung ist. Immerhin werden die Tiere zu keiner Zeit irgendwelchem Stress ausgesetzt. Sie werden einfach in einer gewohnten Umgebung getötet. Ob ich das gut finde? Ich glaube schon dass das Konzept so funktionieren kann. Ich habe mich bereits im Vorfeld mit einigen der führenden Fleischexperten Deutschlands über diese Art der Tötung unterhalten und habe teilweise auch wirklich negatives Feedback bezüglich dieser Art der Tötung bekommen. Doch nachdem mir Laura heute alles gezeigt und erklärt hat, kann ich für mich persönlich nur ein positives Feedback zu dieser Art der Tötung bzw. Schlachtung ziehen. Ich war zwar noch nicht live dabei, dennoch kann ich in jeder Faser nachvollziehen, wie das abläuft. Warum sollte das Tier auch nur ansatzweise Qualen erleiden bzw. Stress aufbauen, wenn es nicht mal bemerkt, das es getötet wird.

Natürlich bleibt auch jetzt immer noch eine gewisse Restskepsis der Weidetötung gegenüber, doch die Bilder die ich heute erleben durfte, waren mehr als nur authentisch. Für mich persönlich habe ich entschlossen, das ich Laura das Konzept hinter "Oberlecker" voll und ganz abkaufe. Ich stehe hinter dem Konzept und freue mich schon darauf, endlich das Fleisch zu probieren. Jetzt, wo ich es verstanden habe wie Oberlecker funktioniert, werde ich sicherlich weiteres Fleisch bestellen und versuchen, Laura so gut es geht zu unterstützen. Oberlecker steht für mich nicht nur für eine gesunde, nachhaltige und 100% transparente Aufzucht mit einer besonderen Art der Haltung und Tötung, sondern Oberlecker steht für mich für ein Model mit sehr viel Perspektive und Zukunft. 

Ich werde Euch in Zukunft mehr von "Oberlecker" erzählen. Laura ist zwar gerade erst am Anfang, aber für mich ist Sie mit Ihrem Projekt jetzt schon weiter, als so manch ein anderer Bauer zuvor. Da wird sich in Zukunft der ein oder andere Bauer nach umdrehen. Vielen Dank liebe Laura, das du mir deine Welt gezeigt und erklärt hast. Du und dein Projekt haben mich echt begeistert. Ich wünsche dir für die Zukunft weiterhin viel Mut und Erfolg. 

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